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Schmerzen seitlich am Rückfuß? Das steckt hinter dem Sinus-Tarsi-Syndrom

Das sogenannte Sinus-Tarsi-Syndrom (STS) beschreibt Beschwerden im Bereich des äußeren Sprunggelenks, genauer gesagt zwischen dem Sprungbein (Talus) und dem Fersenbein (Calcaneus). Typisch sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit und manchmal auch ein Gefühl von Instabilität.

Wichtig zu verstehen: Es handelt sich dabei nicht um eine klar definierte Erkrankung, sondern eher um einen Sammelbegriff für unterschiedliche Ursachen, die ähnliche Beschwerden auslösen können.


Sinus-Tarsi-Syndrom im Fuß – Schmerzen im äußeren Sprunggelenk zwischen Talus und Calcaneus

Ein kurzer Blick in den Fuß

Um die Beschwerden besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick in den Fuß:


Der Sinus tarsi ist eine kleine, etwa 2–3 cm große Vertiefung an der Außenseite des Rückfußes. Durch diesen Raum verlaufen wichtige Strukturen:

  • stabilisierende Bänder (z. B. Ligamentum cervicale, Ligamentum talocalcaneum interosseum)

  • kleine Blutgefäße

  • Nervenanteile des N. peroneus profundus und N. suralis

  • Fett- und Bindegewebe mit wichtiger „Stoßdämpfer- und Wahrnehmungsfunktion“


Gerade diese komplexe Struktur erklärt, warum Schmerzen in diesem Bereich so unterschiedliche Ursachen haben können.


Warum entsteht ein Sinus-Tarsi-Syndrom? Typische Ursachen

In der Praxis sehen wir meist kein einzelnes Problem, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zu den häufigsten Auslösern zählen:

  • Verletzungen, insbesondere wiederholte Supinationstraumata (Umknicken), die zu Schäden an periartikulären Strukturen führen, also Strukturen, die das Gelenk umgeben.

  • Chronische Instabilitäten des oberen oder unteren Sprunggelenkes.

  • Degenerative oder entzündliche Veränderungen, z.B. Arthrose, Arthritis oder Arthrofibrose (Vernarbungen der Kapsel).

  • Fehlstellungen wie Knick‐Senkfüße mit nachfolgendem Impingement im Sinus tarsi.

  • Ganglien (weiche, flüssigkeitsgefüllte Zysten im Bereich von Gelenken als Zeichen mechanischer Überlastung)

  • Überlastungsreaktionen bei Sportlern, die häufig Stop-and-Go-Bewegungen oder schnelle Richtungswechsel ausführen

  • Ganglien (weiche, flüssigkeitsgefüllte Zysten im Bereich von Gelenken

  • Nach Verletzungen wie Kapselrissen oder Bandveretzungen kann es beispielsweise zu Vernarbungen oder chronischen Reizungen im Gewebe kommen, das erklärt, warum Beschwerden manchmal lange bestehen bleiben.


Welche Symptome sind charakteristisch?

Viele Patient:innen beschreiben sehr ähnliche Symptome:

  • Lokalisierte, meist belastungsabhängige Schmerzen an der Außenseite des Rückfußes, kurz vor dem Außenknöchel

  • Druckempfindlichkeit in einem klar lokalisierbaren Bereich (Sinus tarsi), häufig reproduzierbar bei Inversion und Eversion

  • Unsicherheit oder Instabilitätsgefühl beim Gehen

  • Beschwerden besonders auf unebenem Untergrund

  • gelegentlich Schwellung oder Ruheschmerzen


Jedoch ist nicht jeder Schmerz in diesem Bereich automatisch ein Sinus-Tarsi-Syndrom. Die Diagnose wird leider häufig vorschnell gestellt, wenn keine eindeutige Ursache gefunden wird.


Diagnostik: warum genaues Hinschauen entscheidend ist

Eine saubere Diagnostik ist hier besonders wichtig.

Sie umfasst in der Regel:

  • eine gründliche klinische Untersuchung (Tastbefund, Bewegungsanalyse, Stabilität)

  • zur weiteren Abklärung eine gezielte Infiltration des Sinus tarsi, die bei positivem Effekt die Diagnose unterstützt

  • bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgen, um andere Ursachen auszuschließen

Gerade weil viele Strukturen beteiligt sein können, ist es entscheidend, nicht nur das Symptom zu benennen, sondern die eigentliche Ursache zu finden.


Was kann noch dahinterstecken? (Differentialdiagnosen)

Beschwerden im Sinus-tarsi-Bereich können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Arthrose im unteren Sprunggelenk

  • Impingement-Syndrome

  • Sehnenpathologien (z. B. Peronealsehnen)

  • Nervenreizungen


Individuelle Therapie statt Standardlösung

Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. In den meisten Fällen starten wir konservativ (ohne Operation):

  • gezielte Physiotherapie zur Verbesserung der Belastbarkeit

  • Kraft- und Koordinationstraining (Propriozeption)

  • Training der intrinsischen und extrinsischen Fußmuskulatur

  • Anpassung oder Auswahl der passenden Schuhe

  • wenn nötig Entlastung (z. B. temporär durch Orthesen)

  • Einlagen als Hilfsmittel (ebenfalls temporär)

  • ggf. Infiltrationen zur Schmerzreduktion


Wichtig: Es gibt nicht die eine Standardtherapie, die Behandlung muss immer individuell angepasst werden.

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann in seltenen Fällen eine operative Behandlung sinnvoll sein, z. B. zur Entfernung von Narbengewebe, Knochenspornen oder zur Behandlung begleitender Instabilitäten durch eine Bandplastik.


Prognose: Wie sind die Heilungschancen?

Die Prognose ist in vielen Fällen gut, vor allem bei frühzeitiger, gezielter und konsequenter konservativer Therapie.

Wenn Beschwerden länger bestehen bleiben, liegt das häufig daran, dass:

  • die eigentliche Ursache nicht erkannt wurde

  • eine Instabilität bestehen bleibt

  • mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen


Unser Fazit aus der Praxis

Die aktuelle Literatur zeigt, dass das Sinus‐Tarsi‐Syndrom weniger als eigenständige Erkrankung,

sondern eher als Symptomkomplex verschiedener Pathologien verstanden werden sollte.

Genau deshalb ist es so wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern die Ursache wirklich zu verstehen.

Mit einer sorgfältigen Diagnostik und einer individuell abgestimmten Therapie lassen sich in den meisten Fällen deutliche Verbesserungen erzielen! Oft auch ganz ohne Operation.



In meiner physiotherapeutischen Fußsprechstunde nehme ich mir viel Zeit für deine Fußbeschwerden! Durch eine umfassende Analyse, spezifische Tests und meine therapeutische Expertise erarbeiten wir gemeinsam einen Plan, der individuell auf dich und deinen Fuß bzw. deine Beschwerden zugeschnitten ist.



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