Schmerzen seitlich am Rückfuß? Das steckt hinter dem Sinus-Tarsi-Syndrom
- Jennifer Eidel

- vor 5 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Das sogenannte Sinus-Tarsi-Syndrom (STS) beschreibt Beschwerden im Bereich des äußeren Sprunggelenks, genauer gesagt zwischen dem Sprungbein (Talus) und dem Fersenbein (Calcaneus). Typisch sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit und manchmal auch ein Gefühl von Instabilität.
Wichtig zu verstehen: Es handelt sich dabei nicht um eine klar definierte Erkrankung, sondern eher um einen Sammelbegriff für unterschiedliche Ursachen, die ähnliche Beschwerden auslösen können.

Ein kurzer Blick in den Fuß
Um die Beschwerden besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick in den Fuß:
Der Sinus tarsi ist eine kleine, etwa 2–3 cm große Vertiefung an der Außenseite des Rückfußes. Durch diesen Raum verlaufen wichtige Strukturen:
stabilisierende Bänder (z. B. Ligamentum cervicale, Ligamentum talocalcaneum interosseum)
kleine Blutgefäße
Nervenanteile des N. peroneus profundus und N. suralis
Fett- und Bindegewebe mit wichtiger „Stoßdämpfer- und Wahrnehmungsfunktion“
Gerade diese komplexe Struktur erklärt, warum Schmerzen in diesem Bereich so unterschiedliche Ursachen haben können.
Warum entsteht ein Sinus-Tarsi-Syndrom? Typische Ursachen
In der Praxis sehen wir meist kein einzelnes Problem, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
Verletzungen, insbesondere wiederholte Supinationstraumata (Umknicken), die zu Schäden an periartikulären Strukturen führen, also Strukturen, die das Gelenk umgeben.
Chronische Instabilitäten des oberen oder unteren Sprunggelenkes.
Degenerative oder entzündliche Veränderungen, z.B. Arthrose, Arthritis oder Arthrofibrose (Vernarbungen der Kapsel).
Fehlstellungen wie Knick‐Senkfüße mit nachfolgendem Impingement im Sinus tarsi.
Ganglien (weiche, flüssigkeitsgefüllte Zysten im Bereich von Gelenken als Zeichen mechanischer Überlastung)
Überlastungsreaktionen bei Sportlern, die häufig Stop-and-Go-Bewegungen oder schnelle Richtungswechsel ausführen
Ganglien (weiche, flüssigkeitsgefüllte Zysten im Bereich von Gelenken
Nach Verletzungen wie Kapselrissen oder Bandveretzungen kann es beispielsweise zu Vernarbungen oder chronischen Reizungen im Gewebe kommen, das erklärt, warum Beschwerden manchmal lange bestehen bleiben.
Welche Symptome sind charakteristisch?
Viele Patient:innen beschreiben sehr ähnliche Symptome:
Lokalisierte, meist belastungsabhängige Schmerzen an der Außenseite des Rückfußes, kurz vor dem Außenknöchel
Druckempfindlichkeit in einem klar lokalisierbaren Bereich (Sinus tarsi), häufig reproduzierbar bei Inversion und Eversion
Unsicherheit oder Instabilitätsgefühl beim Gehen
Beschwerden besonders auf unebenem Untergrund
gelegentlich Schwellung oder Ruheschmerzen
Jedoch ist nicht jeder Schmerz in diesem Bereich automatisch ein Sinus-Tarsi-Syndrom. Die Diagnose wird leider häufig vorschnell gestellt, wenn keine eindeutige Ursache gefunden wird.
Diagnostik: warum genaues Hinschauen entscheidend ist
Eine saubere Diagnostik ist hier besonders wichtig.
Sie umfasst in der Regel:
eine gründliche klinische Untersuchung (Tastbefund, Bewegungsanalyse, Stabilität)
zur weiteren Abklärung eine gezielte Infiltration des Sinus tarsi, die bei positivem Effekt die Diagnose unterstützt
bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgen, um andere Ursachen auszuschließen
Gerade weil viele Strukturen beteiligt sein können, ist es entscheidend, nicht nur das Symptom zu benennen, sondern die eigentliche Ursache zu finden.
Was kann noch dahinterstecken? (Differentialdiagnosen)
Beschwerden im Sinus-tarsi-Bereich können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel:
Arthrose im unteren Sprunggelenk
Impingement-Syndrome
Sehnenpathologien (z. B. Peronealsehnen)
Nervenreizungen
Individuelle Therapie statt Standardlösung
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. In den meisten Fällen starten wir konservativ (ohne Operation):
gezielte Physiotherapie zur Verbesserung der Belastbarkeit
Kraft- und Koordinationstraining (Propriozeption)
Training der intrinsischen und extrinsischen Fußmuskulatur
Anpassung oder Auswahl der passenden Schuhe
wenn nötig Entlastung (z. B. temporär durch Orthesen)
Einlagen als Hilfsmittel (ebenfalls temporär)
ggf. Infiltrationen zur Schmerzreduktion
Wichtig: Es gibt nicht die eine Standardtherapie, die Behandlung muss immer individuell angepasst werden.
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann in seltenen Fällen eine operative Behandlung sinnvoll sein, z. B. zur Entfernung von Narbengewebe, Knochenspornen oder zur Behandlung begleitender Instabilitäten durch eine Bandplastik.
Prognose: Wie sind die Heilungschancen?
Die Prognose ist in vielen Fällen gut, vor allem bei frühzeitiger, gezielter und konsequenter konservativer Therapie.
Wenn Beschwerden länger bestehen bleiben, liegt das häufig daran, dass:
die eigentliche Ursache nicht erkannt wurde
eine Instabilität bestehen bleibt
mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen
Unser Fazit aus der Praxis
Die aktuelle Literatur zeigt, dass das Sinus‐Tarsi‐Syndrom weniger als eigenständige Erkrankung,
sondern eher als Symptomkomplex verschiedener Pathologien verstanden werden sollte.
Genau deshalb ist es so wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern die Ursache wirklich zu verstehen.
Mit einer sorgfältigen Diagnostik und einer individuell abgestimmten Therapie lassen sich in den meisten Fällen deutliche Verbesserungen erzielen! Oft auch ganz ohne Operation.
In meiner physiotherapeutischen Fußsprechstunde nehme ich mir viel Zeit für deine Fußbeschwerden! Durch eine umfassende Analyse, spezifische Tests und meine therapeutische Expertise erarbeiten wir gemeinsam einen Plan, der individuell auf dich und deinen Fuß bzw. deine Beschwerden zugeschnitten ist.
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