Barfuß über den Watzmann! Die Überschreitung mit 2300hm & 24,5 km!

Aktualisiert: Juli 1

Der Watzmann ist mit 2713 Metern der dritthöchste Berg Deutschlands und auf jeden Fall eine Reise in die Berchtesgadener Alpen wert.


Die Überschreitung führt von der Wimbachbrücke zum Watzmannhaus und von dort übers Hocheck (2651m) zur Mittelspitze (Hauptgipfel mit 2713m), zur Südspitze (2712m) und anschließend über das Wimbachgries zur Wimbachbrücke zurück.


Die Tour wird aufgrund ihrer Länge häufig als Zweitagestour mit Übernachtung im Watzmannhaus oder in der Biwakschachtel am Hocheck gemacht. Wenn man gut zu Fuß ist und die nötige Ausdauer mitbringt, ist die Überschreitung aber auch an einem Tag möglich und genau das war unser Plan! :)


Besondere Merkmale der Tour:

  • Sehr lange Tour mit vielen Höhenmetern, die es zu überwinden gilt (2300hm)

  • ca. 3km leichte Kletterei am Grat entlang bis zur Südspitze

  • Viele ausgesetzte Stellen ohne durchgehende Sicherung (kein Klettersteig)

  • Beschwerlicher Abstieg über das Geröllfeld von der Südspitze zum Wimbachgries

  • Langer Rückweg über das Wimbachgries (11km) zum Ausgangspunkt

  • Wunderschöne Aussicht auf den Königssee und die Berchtesgadener Alpen


Die Barfuß Überschreitung


Klingt für viele von euch sicher erst einmal nach einer ziemlichen Herausforderung und das ist es natürlich auch, wenn man es nicht gewohnt ist. Meine Füße haben allerdings schon richtig "gejuckt" und ich wollte unbedingt herausfinden, ob diese lange Tour auch barfuß bzw. für meine Füße machbar ist. Zur Sicherheit hatte ich mir neben reichlicher Verpflegung, Helm und einem leichten Gurt mit Bandschlinge auch Trailrunningschuhe eingepackt, in der Hoffnung, dass ich sie nicht benötigen werde.

Um meine Fußsohlen bei der Überschreitung ausreichend schützen zu können, habe ich mich entschieden auf meine Skinners zurückzugreifen und das Gepäck außerdem möglichst leicht zu halten - hierfür hab ich einfach meinen Lieblings Trailrunning Rucksack gepackt.

Bereits bei der ersten Etappe, die wir in 1:49h zurückgelegt haben, wollte ich auf den leichten Schutz der Sohle nicht verzichten, weil wir durchgehend auf Schotter unterwegs waren.

Nach einer kurzen Stärkung am Watzmannhaus ging es dann barfuß weiter bis auf's Hocheck. Meine Füße hätten sich wohler nicht fühlen können und die Abwechslung aus Schotter, Geröll und schönen Platten, die man super auf Reibung antreten konnte, hat total viel Spaß gemacht, obwohl der Weg zunehmend alpiner wurde. Nach 2000 Höhenmetern, die sich noch nie so leicht angefühlt haben wie an diesem Tag, standen wir also am Hocheck und blickten vorfreudig auf den Grat und den uns noch bevorstehenden Teil der Tour.


Ab auf den Grat


Danach folgte die schönste Etappe über den zum Teil ausgesetzten Grat zur Mittelspitze, den ich ebenfalls barfuß bestreiten konnte - ohne Probleme! Der Stein war recht griffig und ich hatte das Gefühl flinker und schneller und mit den leichtesten Kletterschuhen unterwegs zu sein!

Nur 700m sind wirklich mit Seilen gesichert, beim Rest sind höchste Konzentration, Trittsicherheit & Schwindelfreiheit gefragt! Besonders hier fühlte ich mich ohne Schuhe extrem sicher, weil ich mich am Tastsinn meiner Fußsohle bedienen und sehr schnell beurteilen konnte, welcher Tritt wirklich sitzt!

Nach der Mittelspitze, dem Höhepunkt mit 2713m brannten meine Fußsohlen vom vielen Klettern und ich beschloss für den Rest der "Gratwanderung" bis zur Südspitze die Skinners auszuprobieren, die mich auch hier sehr positiv überrascht haben!

Man spürt beinahe alles und hat aufgrund der besonderen Granulat-Sohle, die ein bisschen an eine Tartanbahn erinnert, wirklich sehr guten Grip! Das letzte Stück zog sich dann noch ziemlich lange hin, bis man endlich den letzten der drei Gipfel erreichte. Am Grat ist auf jeden Fall mit Stau zu rechnen.



Auf der Südspitze gab es die verdiente Pause mit schönster Aussicht und kleiner Gipfel-Brotzeit, denn man möchte ja so wenig wie möglich im Rucksack wieder mit nach unten schleppen müssen.


Der steinige Abstieg!


Um den Massen an der Südspitze zu entgehen, brachen wir recht schnell zur vorletzten Etappe auf, welche für mich die eigentliche Herausforderung der Tour darstellte. Hier musste ich die Skinners direkt anlassen, denn der Weg führte über steinige Geröllfelder und steile immer wieder rutschende Abschnitte aus feinem Kies nach unten. Zwischendurch passierten wir sehr abschüssige Schneefelder, die auch mit den Skinners machbar waren, aber bei denen ich generell zu höchster Vorsicht rate, denn wir mussten hier einigen Bergsteiger beim langen Abrutschen zusehen, weil sie Übergewicht bekamen und das war kein Spaß!


Schier endlos zog sich der Weg dann weiter über immer die gleichen Schotterpisten nach unten bis wir zu einer Wasserquelle kamen, an der wir uns kurz frisch machen und stärken konnten, weil die Sonne so extrem brannte, dass ich sogar jetzt, drei Tage nach der Tour noch eine Kruste auf meiner Oberlippe habe :).

Mit dem Gedanken, dass das gröbste nun geschafft sein müsste, zog ich frohen Mutes meine Skinners wieder aus, die mittlerweile schon einiges aushalten mussten.

Leider ging es dann direkt so steinig und abschüssig weiter, weshalb ich sie schleunigst wieder angezogen habe, um meine Fußsohlen wenigstens minimal zu schützen.

Der Weg wurde immer ausgewaschener und beim Abstieg sollten schwere Eisenketten helfen, die extrem schwer waren und den Tiefpunkt der Tour für mich ausmachten - ich habe sogar laut geflucht! :D Meine Hände schwitzen bei der Hitze und rutschten am Eisen ab, meine Füße rutschten im feinen abschüssigen Schotter-Sand-Gemisch und ich wollte nach der ganzen langen Zeit bergab einfach mal wieder bergauf gehen!


Irgendwann hatten wir auch das geschafft und als wir das Wimbachgries erreichten, kam sofort neue Energie zurück! Ich fing an zu laufen und genoß den feinen Schotter unter meinen Füßen, der jetzt endlich nicht mehr rutschte, obwohl ich wusste, dass wir noch ca.11km zurück zum Startpunkt haben und auf einem Schild etwas von 4-5h Rückweg stand. Nach ein paar Kilometern, die wir durchgerannt sind, sahen wir die Wimbachgrieshütte und der Wunsch nach einer kühlen Spezi wurde übermächtig.

Wir legten hier noch eine kurze Pause ein und waren schon jetzt überglücklich und meine Füße freuten sich sogar schon wieder auf den weiteren Rückweg durch den Kies.

Dieser zog sich dann noch einige Kilometer, die Sonne brannte und wir rannten gleichmäßig und fast schon leichtfüßig vorbei an Wanderern, die uns verdutzt nachblickten, zurück zu unserem Startpunkt, zurück zur Wimbachbrücke!


Stolz auf meine Füße, stolz auf unsere reine Bewegungszeit von 5:21h, stolz es geschafft zu haben, saßen wir anschließend bei der nächsten Spezi in unserem Bus, überglücklich und müde!




Mein Fazit


Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Bedürfnis meine Trailrunningschuhe auszupacken und das hat mich wirklich beeindruckt! Trotzdem ist die Tour sehr anspruchsvoll und besonders barfuß ungeübt nicht zu empfehlen! Die Seilversicherungen sind meiner Meinung nach ausreichend, wenn man sehr trittsicher ist und mind. im II. Schwierigkeitsgrad frei klettern kann.


Ich bin unglaublich froh, diesen Versuch gewagt zu haben und weiß jetzt noch ein stückweit mehr, was ich unserem Wunderwerk Fuß "zumuten" kann!

Besonders die Ausdauer meiner Füße hat mich fasziniert und dass ich die letzten 11km weitestgehend im natural running modus durchziehen konnte - das hätte ich mit schweren Bergstiefeln bei weitem nicht mehr geschafft!


Die Skinners sind ab sofort auf Bergtouren mein fixer Begleiter und neben meinen Lauf-Sandalen der beste Kompromiss, wenn die Fußsohlen einmal nicht mehr können.


Es gab außerdem nur positive & respektvolle Rückmeldungen der anderen Bergsteiger, wenn sie mich barfuß oder mit meinen Skinners gesehen haben, was mich sehr gefreut hat! :)



Diese Ausrüstung war auf unserer Tour dabei:


Skinners




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